“A Costume for Nicolas”
Interview mit Eduardo Rivero

Eduardo, herzlichen Glückwunsch zur Auswahl deines Films “A Costume for Nicolas” für den ITFS „AniMovie“ Wettbewerb. Der Film hat mich tief berührt, und er ist ungewöhnlich, weil sein Protagonist Nicolas ein Kind mit Down-Syndrom ist. Wie kam es zu der Idee für den Film, und warum hast du dich entschieden, einen Animationsfilm zu machen?

Die Handlung des Films wurde vom Kinderbuch „Pablo and the Coffin“ inspiriert. Aber mit der Einbindung des Themas Down-Syndrom wollten wir der Geschichte noch einen besonderen Dreh geben. Wir wollten das Thema behandeln und mit dem Publikum teilen, aber wir wollten dabei nicht zu offensichtlich vorgehen. Also haben wir uns verschiedene Möglichkeiten ausgedacht wie wir unsere Geschichte zu erzählen, durch die Platzierung des Themas in den Dialogen. Animation erlaubt es uns, jede Geschichte zu erzählen und sie einem breiteren Publikum nahezubringen. Wir haben die Welt von Nicolas mit all ihrer Fantasie auf Basis der Botschaft geschaffen, die wir vermitteln wollten. Auf dieser Grundlage haben wir die anderen Charaktere und den Look des Films entwickelt, und unseren Schauspieler für die Rolle von Nicolas gesucht.

Der Film macht sich auf wunderbare Weise die gegensätzlichen Charaktere der Kinder und die besondere Vorstellungskraft von Nicolas zunutze. War es ein schwieriger Prozess für dich, in Nicolas‘ Welt einzutauchen und sie zum Leben zu erwecken?

Jeder Film ist eine Herausforderung, weil man mit Dingen konfrontiert wirst, die man noch nie zuvor getan hat. Um diesem Film zu machen, haben wir einige Schulen für Kinder mit Down-Syndrom besucht. Wir haben viel über sie gelernt – über Behandlungsmöglichkeiten, ihre Fähigkeiten und Einschränkungen. Wir haben herausgefunden, dass diese Kinder bei weitem mehr Fähigkeiten besitzen, als wir dachten. Und im festen Glauben daran haben wir uns entschieden, dass eines von ihnen, Fran Fernandez, den Nicolas spielen soll. Dass wir Fran kennenlernen und mit seiner psychologischen Betreuung und seiner Lehrkraft sprechen konnten, hat uns sehr dabei geholfen, das Drehbuch zu überarbeiten und es besser zu machen.
Ich glaube, dass der Film und unsere Botschaft dadurch an Authentizität gewonnen haben.

Als Produzentin interessiert mich natürlich, ob es schwierig war, einen solchen Film zu finanzieren. Du hast zwar nicht produziert, aber als Regisseur musst du diesen Prozess ja ebenfalls verfolgt haben. Kannst du uns etwas über die Finanzierung und die Partner hierfür berichten? Ist ein Sender beteiligt?

Mein Freund und Produzent, Miguel Ángel Uriegas, hat die gewaltige Aufgabe der Ressourcensuche und -beschaffung bewältigt, damit wir den Film machen konnten. In Mexiko gibt es FIDECINE, eine Regierungsinstitution zur Unterstützung der Filmindustrie. Sie erhalten jedes Jahr hunderte Projektanfragen, fördern wegen begrenzter Mittel aber nur zwei Drehbücher. Wir hatten das Glück, dass man unsere Geschichte interessant fand und so erhielten wir Unterstützung und Ressourcen. Das Budget wurde durch private Investitionen und die Zusammenarbeit mit weiteren Animationsstudios ergänzt: Peek Paax Animation und Mokiki Studios.

Um ehrlich zu sein: ich kenne mich mit der mexikanischen Animationsbranche nicht besonders gut aus. Aber ich kenne den Film “The Angel in the Clock”, bei dem du Animationsregie geführt hast. Kannst du uns noch etwas über die aktuelle Situation der Animation in deinem Land erzählen?

Als Branche sind wir am Wachsen, aber sehr langsam. Ein wichtiger Punkt ist, dass es viele mexikanische Studios gibt, die in verschiedenen Bereichen arbeiten: einige für ausländische Fernsehformate, andere in der Entwicklung von Kurzfilmen, manche machen Filme mit dem Ziel, kommerziellen Erfolg zu haben, wieder andere suchen künstlerische Befriedigung. All das erlaubt es uns zu wachsen und vielseitigere und bessere Künstler hervorzubringen. Allerdings haben wir stets das Problem der Abwanderung von Fachleuten. Nicht alle Studios haben Bestand, da die Budgets stark begrenzt sind. Unser Studio, Fotosintesis Media, hatte viel Glück mit seinem künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolg.

Was denkst du darüber, dass die Europa-Premiere deines Films aufgrund der aktuellen Corona-Pandemielage nur online stattfinden kann?

Momentan ist es für uns alle am Wichtigsten, auf unser Leben und unsere Gesundheit achtzugeben. Zur Premiere von “Nicolas”: wir sind daran interessiert, dass unser Film sein Publikum findet. Wir möchten, dass unsere Botschaft die Herzen der Menschen erreicht, egal wie. Ich glaube, dass die Situation, die wir derzeit erleben, unsere Denkweise verändern und uns zu verantwortungsbewussteren Menschen machen wird. Ich denke, für einen Film wie “A Costume for Nicolas” ist das eine großartige Gelegenheit, die Herzen der Menschen zu berühren. Schließlich erzählt unser Film von Liebe und Akzeptanz. Er hat eine universelle Botschaft.

Ich wünsche dir und deinem Film viel Erfolg, und würde mich sehr freuen, dich eines Tages persönlich kennenzulernen!

Dankeschön! Mein größter Wunsch ist es, dass die Menschen, die den Film sehen, Spaß haben, vom ihm berührt werden, und sich einen Moment Zeit nehmen, um darüber nachzudenken.

Wir werden bestimmt bald zusammenkommen! Viel Erfolg für das Festival!
In Freundschaft, Eduardo Rivero

Interview

Grit Wiskirchen

„A Costume for Nicolas“ ist verfügbar auf OnlineFestival+.